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Forstamtsleiter informiert im Fachausschuss:

Es wächst mehr Holz nach als geerntet wird


VAREL
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17.03.2017
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Varel. So mancher Spaziergänger, der im Winter argwöhnisch die Fällarbeiten im Vareler Wald beobachtet hat, mag daran zweifeln, doch der Leiter des Forstamtes Neuenburg, Dr. Martin Dippel, versicherte kürzlich bei einer Präsentation im Ausschuss für Umweltschutz in Varel: „Es wächst in unserem Wald mehr zu als entnommen wird.“ Das gelte sowohl für den Vareler Wald als auch für das Gebiet Herrenneuen, und das obwohl dort nach wie vor eine umfassende Umstrukturierung vom dort noch vorherrschenden Kieferbestand zu mehr Laubholz im Gange ist. Das Bild vom skrupellosen Kahlschlag, das in der Öffentlichkeit in jeder Saison skizziert werde, stimme mit der Realität der Bestandspflege nicht überein, betonte Dr. Dippel.   

Der Forstamtsleiter hatte eine umfangreiche Darstellung für den Ausschuss mitgebracht, die deutlich machte, dass in allen Altersstufen mehr „Holzbestand“ nachwachse als entfernt werde. Es gebe für die Vareler Waldgebiete Herrenneuen, Seghorn und Stadtwald klar formulierte Ernte- und Zuwachspläne, und das Forstamt bleibt bei der Entnahme sogar noch unter diesen Zielvorgaben: „Wir müssten eigentlich viel mehr machen“, sagte Dr. Dippel, auch, weil der Pflegezustand in weiten Teilen des Waldes schlecht sei.
Der aus ökologischen Gesichtspunkten verfolgte Umbau  des Waldes sieht die Reduzierung insbesondere von geringwertiger Kiefer vor, während Buche und die vergleichsweise anspruchslose Douglasie hinzugewinnen. Letztere ist vor allem von Bedeutung im Gebiet Herrenneuen, wo recht karge Sandböden vorherrschen.
Auch die Eiche verliert Anteile, was aber in der Natur der Sache liege, so Dr. Dippel: Eine Naturverjüngung unter Bestand, also das Nachwachsen junger Pflanzen unter großen Bäumen, findet bei der Eiche praktisch nicht statt, da sie viel Licht benötigt.“ Um Eiche nachzuziehen, wäre also zuvor ein Kahlschlag nötig. Zudem sei die Eiche im Grunde kein hier heimischer Baum: „Alle Eichen in unseren Breiten sind einst gepflanzt worden, aus wirtschaftlichen Erwägungen, weil man das Vieh darunter hat laufen lassen.“ Buchen hingegen seien zur Naturverjüngung geeignet, da sie auch mit Schatten gut zurecht kommen.  
Der Forstamtsleiter ging auch auf die Fällarbeiten ein, die zuletzt aus Gründen der Verkehrssicherung erfolgt sind, etwa die jüngste Entnahme großer Buchen direkt am Waldeingang hinter dem weißen Tor. Gerade an Wegen, auf denen reger Fußgängerverkehr herrsche, sei eine vorausschauende Sicherung unumgänglich. Das Totholz war auch in diesem Fall vor Ort liegen geblieben, um neuen Lebensraum für Vögel, Insekten und Gliederfüßer zu bieten. Dass dies teils einen „unordentlichen Eindruck“ mache, wie im Ausschuss geäußert wurde, konnte Dr. Martin Dippel nicht nachvollziehen: „Das ist eine Naturschutzmaßnahme.“  

So war man sich im Ausschuss letztlich einig, dass der Charakter der Vareler Waldgebiete sich verändern werde, Sorgen um ihren Fortbestand aber unbegründet sind. Angesprochen wurde auch der beklagenswerte Zustand der Infotafeln am sogenannten Waldlehrpfad. Diese jedoch unterstünden nicht der Unterhaltung durch das Forstamt, betonte Dr. Dippel, das sei auch gar nicht zu leisten. Er regte vielmehr, nicht zum ersten Mal, wie er betonte, den Aufbau eines Freizeitweges durch den Wald an, dessen Unterhaltung dann freilich die Stadt übernehmen müsse. Dabei könnten dann Schautafeln und Sitzbänke geschaffen werden. Dieser Vorschlag stieß im Ausschuss durchaus auf Interesse, während Bürgermeister Gerd-Christian Wagner vor einer Übernahme zusätzlicher freiwilliger Aufgaben im Wald warnte. Der Stadtbetrieb habe dafür nicht die erforderlichen Kapazitäten.

Autor: Michael Tietz



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