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Schüler-Ausstellung „Großstadtbilder“ im Kunstraum:

Jugendliche zu Experimenten ermutigen


VAREL
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01.07.2016
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Varel. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Großstadt“ im Kunstraum Zollamt am 18. Juni ergab sich auch ein Gespräch zwischen Mitgliedern der Gemeinschaft „Kunstraum“ und einigen Schülern und Schülerinnen, die Großstadtbilder gemalt oder gezeichnet haben. „Ist man in der Vareler Kunstszene meist eher im älteren Semester unter sich, so eröffnete diese Vernissage die Gelegenheit, die Vorstellungen von Vareler Jugendlichen im Dialog näher kennenzulernen“, berichtet Norbert Ahlers von den „KunstRäumern“.  
Schnell habe sich gezeigt, dass die Erfahrungen der Schüler vom Lothar-Meyer-Gymnasium mit der Großstadt weit vielschichtiger sind als es die Bilder beschreiben würden, denn einige der Jugendlichen hätten schon in Städten wie Köln oder Bochum gelebt. So ist die Großstadt ihnen weit weniger ein Ort der Vereinsamung, sondern vielmehr ein Erlebnisraum in spannender Vielfalt. „Diese Diversität oder die Neugierde auf Neues aber in eigene Bilder zu fassen, ist viel schwieriger als unsere Stimmungsbilder hier“, so Carolin Wilken-Fricke. Für Raul Renken war die Betonung auf die Natur wichtig. In seinem Bild zeigt er einen Tempel, dessen Ruhe und Konzentration einen Gegensatz zur Dynamik der Großstadt darstellt. Viele der Schülerbilder beschreiben vor allem die Überforderung, die eigene Bedeutung gegenüber einer anonymen Masse zu behaupten. Das scheint den Jugendlichen auch der zentrale Gegensatz zwischen Provinz und Stadt zu sein. In ländlichen Zusammenhängen kenne man sich, wisse umeinander und von den Erwartungen anderer. Diese soziale Sicherheit verhindere allerdings auch, dass man sich selbst ausprobiere, weil man das Urteil der anderen fürchte.

Dass die Jugendlichen aber mit den digitalen Medien tagtäglich in sozialen Netzwerken kommunizieren, also in gewisserweise sich selbstverständlich virtuell in urbanen Zusammenhängen bewegen, erleben sie nicht als Widerspruch. Überraschend war, dass gerade in diesen sozialen Netzwerken die soziale Kontrolle derart effektiv zu funktionieren scheint wie einst bei den Groß- und Urgroßeltern dieser Jugendlichen. Sie selbst würden sich gerne mehr engagieren, haben aber den Eindruck, dass es nirgends Gruppen oder Initiativen in ihrem Alter gibt. Überall wären bei den spannenden Themen vor allem die ergrauten Köpfe, nie aber Jüngere. Sie selbst aber nehmen diese Themen auch nicht in die Hand, denn wenn man hier etwas mache, müsse man befürchten, dass es sofort mit einem scheelen Blick kommentiert werden würde. Insofern freue man sich auf die neuen Erfahrungen, die einem nach dem Abi in fremden Städten möglich sind.
Vor dem Hintergrund dieser Diskussion will der Kunstraum versuchen, einen Freiraum für die Experimente von Jugendlichen zu eröffnen und sie zu weiteren eigenen Arbeiten anzuregen.
Die aktuelle Ausstellung und weitere Aktivitäten der Künstlergemeinschaft werden auch beleuchtet im „Heuler“, dem Mitteilungsblatt des Kunstraum Zollamt, das nun in seiner dritten Ausgabe vorliegt.

>> Die Ausstellung „Großstadtbilder“ von SchülerInnen der Jahrgänge 10 bis 12 am LMG ist noch bis zum 31. Juli in der Zollamt-Galerie, Am Hafen 1 in Varel zu sehen. Geöffnet ist immer samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.  

Autor: Red.



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