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Spezialgerät im Vareler Wald im Einsatz:

Mobilkran trägt alte Buchen Stück für Stück ab


VAREL
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15.02.2017
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Die Bäume litten bereits an Fäulnis und bedrohten angrenzende Gebäude. Holz und Zweige verbleiben vor Ort als Teil des Ökosystems.


Varel. Unter Einsatz von schwerem Gerät sind im Vareler Wald am Montagvormittag zwei große Buchen gefällt worden. Ein mobiler Fällkran war angerückt, um die etwa 35 Meter hohen Bäume Stück um Stück abzutragen – eine herkömmliche Fällung kam mit Blick auf den Standort der hohen Buchen nicht in Frage. Die Bäume standen unmittelbar bei den „Steinernen Pfeilern“ am Waldeingang von der Windallee, der Zugang zum Wald musste an dieser Stelle während der Arbeiten gesperrt werden. Das sorgte für Verdruss bei einigen Passanten, die zu ihrem Morgenspaziergang durch den Wald unterwegs waren – ebenso stieß einmal mehr die Fällaktion selbst auf Kritik. Immer wieder wird der Vorwurf geäußert, der Forstbetrieb würde zu leichtfertig Bäume fällen, der Umgang mit dem Wald als Holzlieferant unterliege allein wirtschaftlichen Aspekten.
Nicht selten würden die Forstwirte bei ihrer Arbeit im Wald angefeindet, berichtete Revierförster Tobias Gebers. Zudem würden einige Waldbesucher auch Absperrungen ignorieren und sich dadurch sehenden Auges in Gefahr bringen. Es sei einerseits durchaus zu begrüßen, dass die Bürger sich mit dem Wald identifizieren und für einzelne Bäume einsetzen würden, „aber was wir hin und wieder erleben müssen, lässt einen schon mit dem Kopf schütteln“, so Gebers.

Die Entscheidung, die beiden stolzen Buchen am Waldeingang fällen zu lassen, sei auch ihm nicht leicht gefallen, betonte der Revierförster im Gespräch mit dem Friebo: „Aus Gründen der Verkehrssicherheit ist das aber unumgänglich“, die Bäume seien zu einem Risiko geworden. Am Fuß der Stämme war bereits Pilzbefall nachgewiesen, sie wiesen zudem bereits Löcher auf, in denen es zu faulen begonnen hatte. Die Standfestigkeit dieser Buchen sei nicht mehr gewährleistet gewesen, so Gebers. Und da sie sehr dicht an angrenzenden Wohngrundstücken standen, habe es keine Alternative zum kontrollierten Abtragen gegeben. „Im vorletzten Jahr ist uns hier bei einem Sommersturm eine Krone aus einer Buche herausgebrochen und hat Schäden auf einem Nachbargrundstück verursacht. Zudem haben wir hier viel Besucherverkehr, wir können also kein Risiko eingehen.“ Die Bäume hätten außerdem ihr maximales Alter annähernd erreicht: Buchen haben eine geringere Lebensdauer als etwa Eichen und verfügen auch nicht wie diese über sogenanntes Kernholz, Buchen weisen somit gerade bei Faulschäden und in hohem Alter eine erhöhte Bruchgefahr auf. 

Tobias Gebers versicherte, dass die beiden wohl knapp 300 Jahre alten Buchen keineswegs aus wirtschaftlichen Gründen gefällt werden: „Im Gegenteil, das kostet uns viel Geld.“ Denn den mobilen Fällkran musste das Forstamt eigens von einem Unternehmen in Rotenburg anfordern. Mit seinem 32 Meter aufragenden Greif- und Sägeaggregat, das sicher und bequem per Fernbedienung vom Boden aus bedient wird, können bis zu 800 Kilogramm schwere Aststücke entnommen und kontrolliert am Boden abgelegt werden. Das ist zwar aufwändig, bietet aber maximale Sicherheit. Der eingesetzte Fällkran ist der größte seiner Art in Deutschland und erst vor wenigen Monaten in Dienst gestellt worden. Um sich diese Art der Entfernung von großen Bäumen an problematischen Standorten anzuschauen, waren auch Kollegen aus anderen Forstämtern in Niedersachsen nach Varel gekommen.
Die abgesägte Äste und Stammstücke der Buche werden auch gar nicht verwertet, sondern bleiben vor Ort liegen. Zudem sind etwa acht Meter hohe Stammreste stehen geblieben – sie sollen künftig als Hohlbaum einer Vielzahl von Insekten und Gliederfüßern sowie Vögeln, etwa dem Specht, eine Heimat bieten.    
Mit diesem Großeinsatz geht im Vareler Wald die Erntesaison zu Ende, in der verschiedene Fällarbeiten, aber auch Kompensationsmaßnahmen und Neuanpflanzungen vorgenommen wurden.
Am kommenden Dienstag, 21. Februar, wird Forstamtsleiter Dr. Martin Dippel im städtischen Ausschuss für Planung und Umweltschutz noch einmal über Pflegemaßnahmen im Forst und speziell über jüngste Baumfällungen im Vareler Wald informieren. Zudem erwägt die Forstverwaltung, im kommenden Frühjahr erneut eine informative Führung durch den Wald anzubieten.

Autor: Michael Tietz



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