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Fahrbericht Hyundai Tucson 2.0 CRDi

Wieder mehr Abenteuer-Wagen


VAREL
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04.09.2015
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Statt iX35 heißt der Kompakt-SUV jetzt wieder Tucson. Mit viel Platz und Komfort lässt er in der Topversion keine Wünsche offen.

Varel. Tucson, Arizona: Man hat schonmal gehört von der Stadt, in Westernfilmen vielleicht. Tucson (sprich: tuußn), das klingt nach Wüstenlandschaft, nach Bergen und Geröll, nach Staub und Hitze, nach John Wayne und „Rio Bravo“ – und mithin deutlich mehr nach Erlebnis und Abenteuer als das Kürzel „iX35“.
Und weil das so ist, heißen die Erlebnisautos von Hyundai aus dem Segment der Sport-Utility-Vehicles (SUV) nun eben nicht mehr iX55 und iX35, sondern wieder Santa Fe und Tucson. Eine Rückkehr zu alten Tugenden quasi, denn schon die erste Generation des Kompakt-SUV von Hyundai war von 2005 bis 2010 als Tucson unterwegs.

Seit August gibt es nun den brandneuen Hyundai Tucson, und der soll möglichst an den Erfolg seines Vorgängers anknüpfen, im Jahr 2014 war schließlich fast jeder vierte in Europa verkaufte Hyundai ein iX35. Der neue Tucson soll nun laut Hersteller „der Modellathlet unter den Kompakt-SUV“ sein, und wir haben ihn uns einmal gründlich angeschaut, das Autohaus Rehm aus Varel stellte dafür einen Vorführwagen bereit.

Wuchtig kommt der Tuscon daher, mit grimmigem Blick und dem üppigen, fast senkrecht im Wind stehenden Hexagonalgrill am Bug. Einen Hinweis auf den Anspruch, auch als Geländegänger wahrgenommen zu werden, gibt die Kunststoffplanke, die über Schweller und Radhäuser einmal um die untere Fahrzeugkante verläuft. Mit 4,48 Metern Länge und 1,85 Metern Breite liegt der Tucson knapp über den Abmessungen eines VW Tiguan, je nach Räderauswahl ragt er etwa 1,66 Meter in die Höhe. Das Auto wirkt aber deutlich größer als es wirklich ist, dafür sorgt auch die hohe Seitenlinie.

Viel Raum fürs Gepäck
Im Innenraum geht es sehr aufgeräumt zu, man fühlt sich wohl: Die Verarbeitungsqualität überzeugt, man sitzt ausgesprochen hoch, Sitze und Raumangebot sind über jeden Zweifel erhaben. Für ein nochmals luftigeres Raumgefühl sorgt das im Vorführwagen verbaute Panorama-Schiebedach. Auch hinten ist Platz genug, vor allem im Ladeabteil, das mit mindestens 513 Litern Volumen einen Bestwert in der Fahrzeugklasse bietet. Maximal stehen bei umgeklappten Rücksitzen mehr als 1.500 Liter zur Verfügung.

Die Ausstattung ist üppig, vier Varianten stehen zur Wahl, wobei schon ab „Trend“ alles wichtige inklusive Klimaautomatik, Tempomat und Heck-Einparkhilfe an Bord ist. Letztere ist auch nahezu zwingend notwendig, denn die Rundumsicht ist wegen breiter C-Säulen und kleiner Heckscheibe nur mäßig. In der „Premium“-Ausstattung enthalten ist gar ein Einparkassistent, der den Tuscon eigenständig in eine Parklücke hinein- und auch wieder herausmanövriert. In der Topvariante treibt Hyundai die Ausrüstung des SUV ohnehin auf die Spitze: Heizbares Lenkrad, belüftete Sitze (im Leder-Paket), LED-Scheinwerfer, Verkehrszeichenerkennung, schlüsselloses Startsystem und elektronischer Heckklappe, die sich wie von Geisterhand öffnet, sobald der Fahrer mit dem Schlüssel in der Tasche hinter das Fahrzeugheck tritt.
Optional gibt es im Safety-Paket ferner einen autonomen Notbremsassistenten mit Frontkollisionswarnung, Totwinkelkontrolle und Querverkehrswarnung hinten. Diese Helfer sorgen für ein zwiespältiges Gefühl: Sie bedienen einerseits den Spieltrieb, ohne Frage vermag die Technologie zu faszinieren, doch sie vermitteln andererseits ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Und wenn der unsichtbare Spurhalteassistent (Serie ab „Style“) dem Fahrer unvermittelt ins Lenkrad greift, fühlt der sich womöglich rasch gemaßregelt. Die Systeme lassen sich aber auch abschalten.

Voll überzeugen kann das Navigationssystem, das präzise und schnell reagiert und nach einer spontanen Routenänderung nicht minutenlang versucht, den Fahrer zum Wenden zu bewegen. Nützlich ist auch die elektronische Parkbremse, die das Auto festhält, wenn es einmal steht (nur bei Automatik), und die Bergabfahrhilfe (Serie).
Der Testwagen brachte alles mit, was ein Tucson mitbringen kann, einschließlich des stärk-sten Dieselmotors mit Allradantrieb und 6-Stufenautomatik. Der 184 PS starke Zweiliter-Vierzylinder entwickelt bis zu 400 Newtonmeter Drehmoment und hat mit dem Wagen keine Mühe, versprochen sind 9,5 Sekunden bis Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von knapp jenseits der 200 km/h. Einen Stolperer leistet sich der üppig ausstaffierte Tucson allerdings beim Verbrauch: Nach einem Vormittag zeigte der Computer einen Durchschnitt von rund neun Litern an, allerdings bei überwiegend inner­örtlichem Kurzstreckenverkehr. Auch bei ersten Tests in der Fachpresse wurde der von Hyundai angegebene Durchschnittsverbrauch von 6,5 Litern aber deutlich übertroffen.

Automatik nur mit Allrad

Bei der Auswahl von Motoren- und Getriebevariante braucht es ein wenig Zeit, denn nicht alles kann kombiniert werden. Im Angebot sind zwei Benzinvarianten mit 1,6 Litern Hubraum. Der „blue“ 1.6 GDI mit 132 PS bringt eine Start-Stopp-Automatik mit, er ist aber nur mit Frontantrieb und nur mit Schaltgetriebe zu haben. Der neue Turbobenziner, wahlweise mit Front- oder Allradantrieb, leistet bis zu 177 PS und kann mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert werden – aber nur beim Allradler.
Bei den Dieseln markiert der blue 1.7 CRDI MIT 116 PS und Frontantrieb den Einstieg, den Zweiliter mit 136 PS gibt es mit zwei oder vier angetriebenen Rädern, 184 PS wiederum nur mit Allrad. Für die beiden stärkeren Diesel ist auch die Wandlerautomatik verfügbar.
Entsprechend weit gespreizt ist die Preisliste: Der Einstieg beginnt bei 22.400 Euro für den mager ausgestatteten Benziner, die Spitze markiert der stärkste Diesel in der Variante Premium mit 37.900 Euro. Eine gefragte Kombination dürfte der 136-PS-Diesel mit Allrad in der Variante „Style“ werden. Schade: Leder gibt es nur für „Premium“.


Zunächst nur klassische Verbrenner

Der neue Tucson begegnet den Mitbewerbern in seinem Segment ohne Frage auf Augenhöhe. Komfortabel, geräumig, mit Allrad souverän in allen Lebenslagen. Mit Kampfpreisen muss Hyundai nicht mehr locken, der neue Tucson fährt selbstbewusst in das nach wie vor schwer gefragte Segment der Kompakt-SUV.

Bei den Motoren bleibt indes Raum für Innovationen, einen Elektro-Hybrid beispielsweise wird es zunächst nicht geben. Als „grüne Alternative“ hat Hyundai aber weiterhin das Brennstoffzellenauto ix35 „FuelCell“ im Angebot.


Autor: Michael Tietz



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