Wetter:

 

Das Haus mit dem alten Bus vor der Tür

... und den vielen Geschichten dahinter: Heinz Walczyk hat aus einem ehemaligen Gemischtwarenladen mit Gaststube ein Mini-Museum gemacht. 

 

 

 

 

Jaderaußendeich. Eher beiläufig erzählt er noch, dass er einst wohl als erster mit einem Elektrofahrzeug quer durch Deutschland gefahren sei: Was für die meisten ein, wenn nicht das Lebensereignis wäre, ist für Heinz Walczyk eine Episode. Eine von vielen – das wird jedem rasch klar, der einmal von ihm durch sein Haus an der Außendeicher Straße geführt wurde.

 

Ein Haus, das nur deshalb dem Vorbeifahrenden auffällt, weil davor ein Linienbus aus den, na sagen wir, 60er Jahren steht. Ordentlich mit einer gespannten Plane überdacht, aber offenbar nicht fahrtüchtig. „Die Batterie macht es nicht mehr“, bedauert Walczyk, „naja, und er rostet halt heftig.“ Wer ihn richtig einschätzt, der ahnt, dass er auch diesen Bus wieder flott kriegt, ebenso wie das an einen Messerschmitt Kabinenroller erinnernde Elektromobil.

 

 

 

Wenn Heinz Walczyk von seinem Tun und seinem Leben erzählt, greift er meist schnell in eins seiner Bücherregale. Foto: Albert Rohloff


 

Doch der pensionierte Lehrer hat außerdem noch das eine oder andere zu tun. Ein Streifzug durch sein Haus ist wie ein Gang durch ein Museum mit mehreren Abteilungen. Kein Flecken Wand, der nicht mit einem Bild bedeckt wäre. Vieles davon Originale lokaler und regionaler Künstler, viele davon auf dem Flohmarkt entdeckt. So richtig klar wird einem nicht sofort, warum er das alles sammelt – ihm selbst vermutlich auch nicht. Dann geht es von seinem lichtdurchfluteten Büro im Wintergarten herunter in den Kneipenraum, der noch aus „Treppen-Günthers“ Zeiten stammt. Warum „Treppen-Günther“? Nun, so wurde der einstige Eigentümer zur Unterscheidung von zwei Namensvettern im Ort genannt. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Gegenüber findet sich ein Ladenraum. „Hier war früher mal ein Geschäft, wie es sie auf dem Land oft gab“, erklärt Walczyk, „So ein Geschäft, in dem es einfach alles gab.“ Die Älteren unter uns erinnern sich. Das, was da in den Regalen steht und immer noch im Lager gestapelt ist, würde manch einem Warenhaus zur Ehre gereichen. Auch wenn die Artikel nicht eben dem jeweils neuesten technischen Schrei entsprechen. Mechanische Schreibmaschinen halt, keine Laptops. „Kaufen kann man das zwar, aber dazu ist es eigentlich nicht gedacht.“ Heinz Walczyk ein Messie? Vielleicht, irgendwie, aber dann ein ausgesprochen ordentlicher! Hier ist alles intakt und wird auch bisweilen gebraucht. Herumliegenden Krempel kann er nicht leiden. So ist zum Beispiel auch seine Goldschmiede-Werkstatt in Betrieb. Wurde schon erwähnt, dass Heinz Walczyk Goldschmiedemeister ist?
Die „Schlossführung“ geht weiter. Vorbei an Werkbänken und wieder mal einer Bildergalerie führt der Gang im Keller zu einem kleinen Versammlungsraum nebst Teeküche. Hier werden Dia-Vorträge gehalten oder der Kulturverein Jade trifft sich zur Sitzung. Als der gebürtige Oldenburger nach einem Leben in Schwäbisch Gmünd 2005 zurückkehrte in den Norden, gründete er in Jade den örtlichen Kulturverein. Naheliegend, denn – ach ja! – Heinz Walczyk hat acht Semester Kunst in München studiert.
Irgendwie ist er dabei auch einmal an Daniel Defoe geraten. Nun füllen die Bände über und von Robinson Crusoe, über ähnliche Gestalten und Schicksale in den verschiedensten Versionen und Landessprachen und aus den unterschiedlichsten literarischen Epochen einen Raum, dessen Wände nur aus Regalen bestehen.

Dem Kulturverein, dessen zweiter Vorsitzender er ist, bieten Walczyk und sein Haus natürlich auch eine Herberge. Nach einem Blick auf den Garten mit Ausmaßen, wie es sie nur auf dem Land geben kann – „Ich bin gerade dabei, die Rabatten zum Frühling von Unkraut zu befreien“, – zeigt er mir noch kurz den Dachboden seiner Scheune. Eine Kleinbühne für Kleinkunst. Bestens ausgestattet mit etwa 60 Sitzplätzen und einer Lichtanlage für kleine Aufführungen. Davon gibt es in diesem Jahr noch fünf. „Ich bin Hausmeister, Kassenwart, stehe an der Theke und betreue die Künstler – Mädchen für alles“, amüsiert sich Heinz Walczyk, wie immer tiefstapelnd. Denn sauber eingerichtete Gästezimmer hält er natürlich auch bereit.

 

Tags drauf findet man ihn bei der Tollmann-Vernissage auf dem Schönhof. „Eigentlich habe ich gar keine Zeit. Ich muss gleich zurück und den Auftritt von Vladimir Bolschakow vorbereiten.“ Jazz op de Deel, also. Heinz Walczyk ist übrigens 75. Aber auf einer Parkbank wird man ihn gewiss nicht finden.

>>>  Für interessierte Besucher nimmt er sich immer gern Zeit. Öffnungszeiten gibt es nicht. Einfach mal klingeln, in der Außendeicher Straße 17. Oder nach Veranstaltungsterminen gucken unter www.kulturverein-jade.de.

Wählen Sie den Suchtyp aus.
  • Website
  • Web