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Freitag, 10 November 2017 10:08

Pläne für ‚Brandts Quartier‘ stoßen auf Skepsis

geschrieben von Michael Tietz
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Der frühere Hof (hier von der Bergstraße aus gesehen) liegt seit Jahren weitgehend verlassen da. Die nun diskutierte Planung sieht den Abbruch der Gebäude und den Neubau von Appartementhäusern verschiedener Größen vor. Der frühere Hof (hier von der Bergstraße aus gesehen) liegt seit Jahren weitgehend verlassen da. Die nun diskutierte Planung sieht den Abbruch der Gebäude und den Neubau von Appartementhäusern verschiedener Größen vor. Foto: Michael Tietz
Investor will das einstige Hofgelände überplanen. In der Nachbarschaft regt sich Widerstand.

Jaderberg.
Die Zukunft des Geländes rund um den einstigen Bauernhof Brandt am südwestlichen Ortsrand von Jaderberg war zentrales Thema bei der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses in Jade. Ein am Brandtsweg geplantes Bauprojekt wird in der Nachbarschaft bereits kontrovers diskutiert – und auch in der Politik gibt es Bedenken, wobei die Notwendigkeit zur baulichen Entwicklung des brach liegenden Grundstücks grundsätzlich unstrittig ist.

Das Unternehmen „Exklusiv Immobilien“ aus Det­mold beabsichtigt auf der insgesamt fast drei Hektar großen Fläche ein neues Wohnviertel mit gemischter Struktur zu realisieren. Die Planung für „Brandts Quartier“ sieht Einfamilien- und Doppelhäuser vor, ferner den Bau von fünf zweieinhalbgeschossigen Appartementhäusern mit jeweils neun Wohneinheiten und zwei größere Gebäude mit drei Vollgeschossen.
Das Unternehmen hat sich das Grundstück bereits gesichert, wobei der Eigentumsübergang nur vollzogen wird, wenn ein Bebauungsplan zur Realisierung des beabsichtigten Vorhabens rechtskräftig wird. Und um den Einstieg in das Bauleitverfahren ging es jüngst im Ausschuss. Das Verfahren war noch einmal ausgebremst worden, nachdem von Seiten der Anwohner Kritik nicht nur an der Planung selbst geübt worden war, sondern auch am Tempo, mit dem das Projekt durch die politischen Gremien geschickt werden sollte. Ursprünglich hatte der Gemeinderat schon Ende September einen Aufstellungsbeschluss fassen sollen, nachdem die Pläne kurz zuvor erstmals im Bauausschuss behandelt worden waren. Im Rat war der Punkt dann aber von der Tagesordnung genommen worden, weil es, wie Bürgermeister Henning Kaars damals sagte, „noch Klärungsbedarf zu Details des Vorhabens“ gebe. Denn die Kritiker haben sich mit Fragen und Forderungen zu Wort gemeldet, viele Anwohner lehnen das Vorhaben in der zunächst präsentierten Variante strikt ab. Diese hätte nämlich auch die Abholzung des Baumbestandes entlang des Brandtsweges vorgesehen, zwei große Gebäudekomplexe sollten unmittelbar an der Straße entstehen.
Hier sind die Investoren bereits auf die Kritik eingegangen – die aktualisierte Planung sieht den Erhalt der Bäume vor, es ist zum Brandtsweg nun ein Grünstreifen mit einer Breite von bis zu 17 Metern vorgesehen. Um die Bäume machen sich auch die Ratsmitglieder Sorgen, schließlich sei man „gebranntes Kind“, wie Johan Scholtalbers anmerkte: Bei anderen Bauvorhaben seien Bäume abgeholzt worden, obwohl diese als erhaltenswert definiert worden waren. Vor diesem Hintergrund war man sich nun einig, dem Erhalt der Linden und Eichen Vorrang vor den Wünschen der Investoren einzuräumen.
Die jetzige Zufahrt zum Wohngebäude der Hofstelle, in dem noch Wohnungen bewohnt sind, soll laut Planung zunächst als Baustraße für die Erschließung genutzt, später aber zurückgebaut werden. Stattdessen soll eine rechtwinklig auf den Brandtsweg treffende Straße angelegt werden, die ringförmig durch das neu entstehende Wohnquartier führen könnte.

Plan Brandtsweg Ausschnitt aus einem ersten Planungsentwurf: Die Gebäude "A" sollen dreigeschossig werden, die Mehrfamilienhäuser (B, D und E) über zwei Voll- und ein Staffelgeschoss verfügen. Im weiteren Verfahren wird die Planung aktualisiert und konkretisiert.
Grafik: Exklusiv Immobilien/Böhlken Architektur


Im Planungsausschuss stand Sven Beckmann, als Projektentwickler für Exklusiv Immobilientätig, gemeinsam mit dem für die Vorplanung beauftragten Architekten Rede und Antwort. Kritiker aus der Siedlung am Brandtsweg hatten vor der Sitzung einen Fragen- und Forderungskatalog eingereicht, mit dem sie ihre Bedenken zum Ausdruck brachten. Zudem wurden Unterschriften gesammelt.
Unter anderem werden Zweifel am Bedarf für einen neuen Wohnpark in dieser Größenordnung geäußert. In den mittleren Gebäuden, die über zwei Voll- und ein Staffelgeschoss verfügen sollen, sind insgesamt 45 Wohneinheiten vorgesehen. Hinzu kommen die Bauplätze für Einfamilienhäuser – und die zwei großen Gebäude, die in dreigeschossiger Bauweise errichtet werden sollen. Gerade diese großen Baukörper sorgen für Unmut. Was denn genau darin untergebracht werden soll, war eine zentrale Frage, auf die Sven Beckmann auch in der Sitzung noch keine verbindliche Anwort zu geben vermochte. „Wir stehen in Kontakt mit möglichen Betreibern, erklärte der Projektentwickler, gedacht werde derzeit an eine Einrichtung für betreutes Wohnen. Auch wenn dies kein baurechtlich definierter Begriff sei, wisse doch jeder, was gemeint sei, so Beckmann: „kleine Wohneinheiten für ältere Menschen, dazu Gemeinschaftsräume auf den Etagen und Pflegepersonal sowie Versorgungseinrichtungen im Gebäude.“ Seitens der Kritiker wird geargwöhnt, dass möglicherweise am Ende ein Alten- und Pflegeheim ge­plant sei – und das sei an dieser entlegenen Stelle nicht richtig platziert.

Auch im Ausschuss wurde diskutiert, ob ein Wohnpark, der sich speziell auch an ältere, alleinstehende Menschen richten soll, so weit außerhalb des Dorfzentrums sinnvoll gelegen ist. Insbesondere die volle Dreigeschossigkeit müsse ferner noch diskutiert werden, so der Tenor: Michael Rettberg (SPD) erklärte, dass betriebswirtschaftliche Ansprüche potenzieller Betreiber kein schlagendes Argument seien: Investoren müssten sich flexibel zeigen, Kompromisse gefunden werden: „Das Projekt soll nicht gleich wieder scheitern, aber es muss städtebaulich verträglich bleiben und dort an den Ortsrand passen.“
Einzig die CDU positionierte sich klar gegen das Vorhaben: „Das passt da nicht hin, wir sollten da besser klassische Wohnbaugrundstücke schaffen“, sagte Knut Brammer. Er skizzierte ferner das Risiko, dass mit der Schaffung vieler kleinerer Wohneinheiten auch Probleme einhergehen könnten, je nachdem, welche Zielgruppe sich überwiegend einmiete.
Die anderen Fraktionen zeigten sich vorsichtig aufgeschlossen: „Wir sollten dem zunächst eine Chance geben“, fasste Jörg Schröder für die UWG zusammen und Johan Scholtalbers (SPD) betonte, dass es in Jader­berg durchaus Bedarf an Mietwohnungen gebe. In zentraler Lage stünden für derlei Projekte aber keine Flächen zur Verfügung. Zudem müsse man den gegenwärtigen Zustand der Flächen berücksichtigen, so Scholtalbers: Es sei grundsätzlich nur zu begrüßen, wenn ein Investor hier eine Entwicklung anstrebe. Über Details sei indes noch zu diskutieren, diese könnten dann in einem städtebaulichen Vertrag geregelt werden.

Es folgte dann der mehrheitlich gefasste Beschluss für einen neuen B-Plan. Sofern dieser Ende November vom Verwaltungsausschuss bestätigt wird, kann ein Planungsbüro eine konkrete Bauplanung ausarbeiten. Diese würde dann Gegenstand des weiteren Verfahrens, in dem Träger öffentlicher Belange ebenso gehört würden wie die Nachbarn und betroffenen Bürger, einschließlich öffentlicher Auslegung der Plan­unterlagen. Einwände und Hinweise müssten dann im Rahmen der Planung berücksichtigt und abgewogen werden, schließlich müsste der Gemeinderat den neuen Bebauungsplan verabschieden.
Einige Monate wird das in Anspruch nehmen, nicht selten geht für eine solche Bauleitplanung ein Jahr ins Land – zumal hier auch Lärmgutachten und Beweissicherungsverfahren eine Rolle spielen werden. Der Beginn von Abbrucharbeiten im kommenden Frühjahr scheint bereits ein sehr ambitioniertes Ziel. Bis wann das Projekt denn abgeschlossen sein soll, war eine Frage an Sven Beckmann im Ausschuss. „Wenn es nach uns geht, könnte das in drei Jahren fertig sein“, so der Projektbetreuer. Das hänge aber auch davon ab, ob und wie schnell Betreiber gefunden und Grundstücke an den Mann gebracht werden können.


Unterlagen zum Projekt sind abrufbar im Ratsinfosystem der Gemeinde Jade unter gemeinde-jade.de
Gelesen 1193 mal Letzte Änderung am Freitag, 10 November 2017 11:21

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