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Donnerstag, 03 August 2017 17:32

„Es lohnt sich viel Zeit mit uns zu verbringen“

geschrieben von Anke Kück
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Varel/Wilhelmshaven. Er ist 24 Jahre jung, kam als Frühchen zehn Wochen zu früh auf diese Welt und ist in einigen Dingen, die für das Leben wohl wichtig zu sein scheinen, eingeschränkt.
Jan Patrick Kleen ist ein kluger junger Mann und er hat ein schwierige Geschichte hinter sich. Dennoch blickt er nach vorne, sieht und sucht das Gute: „Als Kind habe ich viel Ablehnung erlebt. Viele kommen nicht mit Menschen klar, die behindert sind.“ Es sei auch nicht immer einfach mit ihm gewesen, er litt schon als Kind unter ADHS, so war es manchmal schwierig im Umgang mit anderen. Aber eines ist ihm besonders wichtig: „Ich bin ganz stolz auf meine Mama, die war immer stark für mich – schon bevor ich auf der Welt war!“
Bald wurde er in der Schule zum Außenseiter, er wurde gehänselt, verprügelt und sogar vergewaltigt: „Ich habe nie verstanden warum die anderen Kinder mich nicht mochten. Ich war sehr reizbar und traurig, hatte kaum Freunde und war oft allein.“ Er zog sich zurück in die Welt der Online-Spiele: „Ich habe mich viele Jahre lang versteckt“, und fand hier endlich Hilfe
.

Hand in Hand gegen Gewalt und Intoleranz

Ein Spielpartner, Jörg aus Österreich, machte ihm Mut: „Du bist ein toller Mensch, lass Dir von anderen nicht Dein Leben kaputtmachen.“ Jan schaffte dann einen wichtigen Schritt. Er fasste den Entschluss, seine Lebensgeschichte mit anderen zu teilen um ihnen Mut zu machen: „Mein Video, in dem ich meine Gefühle beschrieb, wurde innerhalb kürzester Zeit von vielen tausend Menschen geliked. Ich erhielt viele Zuschriften von Personen die Ähnliches erfahren hatten und stellte schnell fest, dass es die beste Hilfe ist, sich mit anderen Betroffenen zu unterhalten.“ So entstand schließlich sein Projekt „Hand in Hand gegen Gewalt und Intoleranz“.

www.facebook.com/GegenGewaltundMobbing/

Das war vor drei Jahren. „Inzwischen habe ich gelernt nicht nur im Internet stark zu sein. Mit dem Zug bin ich sehr viel unterwegs zu anderen Menschen, denen es ähnlich ergangen ist wie mir. Ich möchte meine Stärke bei meinen Besuchen weitergeben und lerne ganz tolle Menschen kennen, wie kürzlich zum Beispiel Ivonne aus Bamberg. Das war bisher meine weiteste Reise.“ Es wird nicht lange die Weiteste bleiben, denn es erfüllt sich, wie Jan selbst sagt, „mein größter Wunsch. Ich werde Jörg besuchen und gemeinsam mit meiner Familie eine Woche lang nach Österreich fahren.“
Glücklich ist er auch darüber, dass er seit fünf Monaten einen ganz tollen Partner gefunden hat: „In der Liebe ist alles möglich und jeder hat das gleiche Recht glücklich zu werden. Deswegen finde ich es sehr gut, dass Schwule und Lesben inzwischen auch ‚richtig‘ heiraten und gemeinsam Kinder adoptieren dürfen.“
Natürlich hat auch Jan immer wieder Rückschläge erlebt, aber: „Aus Rückschlägen wird man stärker. Das Leben ist etwas Kostbares, alles ist wunderbar und einzigartig. Ich erzähle und schreibe aus meinem Herzen heraus und heute weiß ich: Man kann alles erreichen.“
Er möchte auch für behinderte Menschen sprechen, die selbst nicht für sich sprechen können: „Ich will das Wort erheben und trete dafür ein, dass Inklusion Wirklichkeit wird. Das fängt zum Beispiel bei barrierefreien Bahnhöfen an: Inklusion ist für mich erst dann erreicht, wenn jeder Mensch die Chance hat alles zu erreichen.“

Es lohnt sich viel Zeit mit uns zu verbringen

Auf die Frage, was er sich am meisten wünsche, sagt er: „Ich wünsche mir, dass andere ganz normal mit mir umgehen und keine Angst davor haben mir Fragen zu stellen.“
Jan Patrick Kleen arbeitet als Landschaftsgärtner bei der GPS in Wilhelmshaven und würde auch in und um Varel Menschen, gerne auch Gruppen und Vereinen, von seiner Geschichte erzählen: „Wer mag kann sich gerne bei mir melden, denn wenn man seine Lebensgeschichte teilt, bleibt man nicht länger alleine.“
Und er ist überzeugt, dass sich diese Begegnungen lohnen: „Wer Menschen mit Behinderungen begegnet, der wird sein eigenes Leben bereichern: Es lohnt sich also viel Zeit mit uns zu verbringen. Mein Ziel ist es auch anderen wieder Freude am Lebens zu geben. Mein Lohn dafür ist das Lachen der Menschen“, sagt er mit seinem freundlichen Lächeln. (ak)
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