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Freitag, 22 September 2017 11:45

Großer Aufwand für kleine Blühstreifen

geschrieben von Michael Tietz
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Mehr Nahrung und Lebensraum für Insekten und Kriechtiere: Dieses Ziel wird mit der Forderung nach mehr Blühstreifen an Wald- und Feld­rändern verfolgt. Mehr Nahrung und Lebensraum für Insekten und Kriechtiere: Dieses Ziel wird mit der Forderung nach mehr Blühstreifen an Wald- und Feld­rändern verfolgt. Symbolbild:pixabay.com
Varel. Für mehr Blühstreifen und „wilde Ecken“ im Vareler Stadtgebiet setzt sich die Ortsgruppe des Naturschutzbundes NABU seit geraumer Zeit ein. In diesem Zusammenhang hatte Martin Heinze, NABU-Sprecher in Varel, bereits vor rund einem Jahr einen Antrag an die Stadt gerichtet mit dem Ziel, auf stadteigenen Flächen am Rande von landwirtschaftlichen Äckern und Feldern wieder verstärkt Blühstreifen anzulegen, um Nahrung und Lebensraum insbesondere für Insekten zu schaffen.
In dem Antrag heißt es, es gebe eine Reihe von Flächenstücken, die zwar städtischer Grund und Boden, im Laufe der Zeit aber in private, meist landwirtschaftliche Nutzung übergegangen seien. Diese Flächen gelte es „zurückzuholen“ um hier dem Rückgang der Artenvielfalt im Zuge einer immer weiter intensivierten Landwirtschaft zu begegnen.
Jörg Kreikenbohm, Fachbereichsleiter Planung und Bau, informierte nun im Ratsausschuss für Bauen und Liegenschaften über das Ergebnis entsprechender Untersuchungen: In der Tat sei davon auszugehen, dass an verschiedenen Straßen und Wegen die landwirtschaftlichen Flächen über die eigentlichen Grundstücke hinaus auch auf städtische Randstreifen ausgedehnt wurden. Schwierig sei es aber zumeist, den exakten Verlauf der Grundstücksgrenzen zu ermitteln – eine amtliche Grenzfeststellung sei mit erheblichem Aufwand und entsprechenden Kosten verbunden. Als Grundlage für die Ermittlungen wurden unter anderem Luftaufnahmen genutzt, außerdem wurden „Peilungen“ von benachbarten Grundstücken vorgenommen. „Es gibt solche Grenzverletzungen, aber sie sind eben nicht exakt zu beziffern“, fasste Jörg Kreikenbohm zusammen, insgesamt sei er bei den Erhebungen in 16 Fällen auf eine Flächensumme von etwa 2.000 Quadratmeter gekommen.

Die Pflege solcher Randstreifen an Straßen und Wegen obliegt grundsätzlich der Stadt. Nicht selten übernehmen aber Landwirte diese in ihre Obhut: sei es, dass sie die Streifen – mal sind es vermutete 50 Zentimeter, in Extremfällen aber auch vier Meter – in landwirtschaftliche Flächen einbezogen haben oder sich um regelmäßige Mahd des Grüns kümmern. Beides jedoch sei im Sinne des NABU-Antrages aber nicht gewünscht, so Jörg Kreikenbohm: „Eine unordentliche, wilde Fläche ist im Sinne des Naturhaushaltes viel wertvoller.“ Mit einigen der Anliegern sei bereits Einvernehmen erzielt worden, die Randstreifen künftig stärker zu berücksichtigen und von einer Bewirtschaftung abzusehen. Einige hätten sich sogar bereit erklärt, auf eigene Kosten Blühstreifen am Rande der Felder anzulegen – das sei nur zu begrüßen.
Denn die Stadt könne das gar nicht leisten, erklärte Jörg Kreikenbohm: „das würde den Stadtbetrieb erheblich strapazieren, denn mit einmal Saatgut streuen ist das nicht getan, solche Blumenstreifen erfordern recht intensive Pflege.“ Der ökologische Nutzen sei zudem auf den überwiegend recht kleinen Flächen überschaubar.
In einigen Fällen, etwa am Wullenbergsweg in Altjührden, könnten hingegen vorhandene Baumreihen erweitert werden. Die Pflanzung von Obstbäumen sei unter Umständen gar förderfähig, wie Kreikenbohm erläuterte. Hier gab es aber im Ausschuss bedenken: „Wenn auf den Flächen jahrelang gespritzt worden ist, womöglich mit Glyphosat, möchte ich dort keine Äpfel ernten“, gab Alexander Westerman zu bedenken.
Auch sonst wurden vor allem Bedenken geäußert: Bernd Redeker kritisierte, dass für diese Bestandsaufnahme viel Zeit „verplempert“ worden sei, ohne ein greifbares Ergebnis. Sabine Kundy (Zukunft Varel) erklärte, es würde kein schönes Bild geben, wenn auf den Wegen künftig matschige Äpfel herumliegen würden.
Jörg Kreikenbohm betonte hingegen, dass es grundsätzlich durchaus wünschenswert sei, wieder mehr wilde Flächen zu schaffen um die Biodiversität zu stärken. Auf dem einstigen Kasernengelände stehen dafür möglicherweise auch größere Flächen zur Verfügung, „dort könnten wir auch eine Blühwiese anlegen, um Erfahrungen zu sammeln.“ Das stieß im Ausschuss durchaus auf Zustimmung. Walter Langer (Grüne) betonte, dass mit dem Antrag eine wichtige Debatte angestoßen worden ist, „was möglich und sinnvoll ist, sollte auch umgesetzt werden“. Die Politik vor Ort müsse sich angesichts des nachgewiesenen Rückgangs in der Artenvielfalt weiter ernsthaft mit dem Thema befassen.

Dennoch gab es für den konkreten NABU-Antrag keine Mehrheit, da dieser auch die exakte Einmessung der genannten Flächen vorsah. Ein zu hoher Aufwand bei zu geringem Nutzen, so die überwiegende Meinung im Ausschuss. Nun soll aber auch versucht werden, verstärkt Grundstücks-eigentümer dafür zu begeistern, Blühstreifen und wild wuchernde Ecken zu schaffen. Anregungen dazu gibt es unter anderem in einem Infoblatt (""Blühende Raine“) des NLWKN, das auf Nachfrage unter anderem im städtischen Bauamt, Rathaus II in Langendamm, erhältlich ist.
Gelesen 363 mal Letzte Änderung am Freitag, 22 September 2017 11:50

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