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Freitag, 29 September 2017 11:32

Henning Scherf und Dr. Annelie Keil in Varel

geschrieben von Redaktion
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Henning Scherf wirbt gemeinsam mit Dr. Annelie Keil für eine Kursänderung bei der Begegnung mit Abschied und Sterben. Henning Scherf wirbt gemeinsam mit Dr. Annelie Keil für eine Kursänderung bei der Begegnung mit Abschied und Sterben. Foto: Anke Kück
Varel. Am Montag, 9. Oktober 2017, findet um 19 Uhr im Lothar-Meyer-Gymnasium eine Lesung mit Dr. Annelie Keil und Henning Scherf aus Bremen statt. Sie lesen aus ihrem neuen Buch „Das letzte Tabu“ – Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen.
Die Veranstaltung wird von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Varel, Brigitte Kückens in Zusammenarbeit mit der Hospizbewegung Varel organisiert. Beide Autoren waren schon mehrmals in Varel zu Gast und haben zu Gesundheitsthemen und zur Demographie referiert.

Zum aktuellen Thema nehmen beide wie folgt Stellung: „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in einer industrialisierten Gesellschaft, in der jeder eine Rolle zu erfüllen hat. Wir sterben, angeschlossen an Schläuche auf der Intensivstation eines Krankenhauses und wenn wir Glück haben, ist jemand da, der unsere Hand hält. Wir diskutieren sogar in unserem Parlament die Möglichkeit der Sterbehilfe, weil viele von uns dies wollen, weil unsere europäischen Nachbarn dies zum Teil schon praktizieren, weil wir den Tod nicht in Demut erwarten können, sondern im Griff haben wollen, weil wir Angst vor der Einsamkeit am Ende haben.
Wir lassen uns anonym bestatten, weil ohnehin niemand da wäre, der unser Grab pflegt. Wir verdrängen unsere Trauer und machen so weiter wie bisher, weil unsere Funktionsgesellschaft das so von uns erwartet. Das alles sind Trends unserer Zeit.
Doch es gibt auch die Gegenbewegung. Es gibt ehrenamtliche Hospizhelfer, die Familien unterstützen, wenn einer ihrer Angehörigen sterben muss damit ein Sterben zuhause möglich ist. Es gibt Hospize, die Sterbende liebevoll aufnehmen, die niemanden zuhause hätten, der ihnen beistehen könnte. In Varel ist die Vareler Hospizbewegung seit 17 Jahren aktiv und es wird aktuell ein stationäres Hospiz auf dem ehemaligen Kasernengelände in Varel gebaut. Es gibt neue Formen der Beerdigung, die aus einem verkrusteten und Angst einflößenden Ritual einen persönlichen Abschied zu machen versuchen. Wir erleben also gerade so etwas wie eine gesellschaftliche Kursänderung, noch nicht konsistent, noch nicht in allen Bereichen, noch nicht von allen vollzogen, aber ein Anfang ist gemacht.“

Diesen Anfang betrachten und erörtern Henning Scherf und Annelie Keil in ihrem neuen Buch, aus dem sie an diesem Abend berichten. Beide, die als Kinder das Sterben im Krieg und auf der Flucht erleben mussten, wie so viele ihrer Generation, die ihre Freunde beim Sterben begleitet haben, beschreiben ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Tod – bittere wie tröstliche – und verbinden diese Erfahrungen mit der gesellschaftlichen Frage danach, wie wir heute sterben wollen.
Ein Buch und ein Abend, die Mut machen, dem Tod gemeinsam ins Auge zu sehen, um erträglicher zu machen, was wir alle durchleben müssen.
Gelesen 126 mal Letzte Änderung am Freitag, 29 September 2017 11:36

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