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Donnerstag, 02 November 2017 09:52

Das „schwächste Glied“ ist zehn Kilometer lang

geschrieben von Albert Rohloff
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Die moderate Wortwahl von Landrats Sven Ambrosy (3. v. l.) täuschte nicht über seine Verärgerung hinweg. Die Deichverstärkung im Raum Friesland und Wesermarsch dauert (nicht nur) ihm zu lange. Die moderate Wortwahl von Landrats Sven Ambrosy (3. v. l.) täuschte nicht über seine Verärgerung hinweg. Die Deichverstärkung im Raum Friesland und Wesermarsch dauert (nicht nur) ihm zu lange. Foto: Albert Rohloff
Küstenschutz: Erhöhung des Deichs ab Varel in Richtung Osten geht nur schleppend voran.

Dangast/Wapelersiel. Frieslands Landrat Sven Ambrosy formulierte es noch ein wenig kryptisch, als er bei der halbjährlichen Deichschau des II. Oldenburgischen Deichbandes unlängst erklärte: „Die Baumaßnahmen am Deich in Friesland und in der Wesermarsch sollten ein wenig gestaucht werden.“ Jochen Meier, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Umwelt beim Landkreis Friesland, kam da schon genauer zum Punkt: „Wir sprechen über einen Unterbestick von mehr als einem Meter. Das ist schon eine Hausnummer.“ Was wie ein Begriff aus dem Nähkurs klingt, bezeichnet die Differenz zwischen der tatsächlichen und der als notwendig erachteten Höhe des Deiches. Und dieser gute Meter also fehlt an Frieslands Küste – auf einer Länge von rund zehn Kilometern.
Eigentlich sollte die Lücke schon in diesem Jahr geschlossen werden. Nun aber, so Meier, sei mit einer Fertigstellung in den Jahren 2020 bis 2025 zu rechnen. Der Grund sei, dass der NLWKN (Niedersächsische Landesbetrieb für Landwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) nicht ausreichend mit Ingenieuren ausgestattet ist. Das versuche man zwar durch die Beauftragung von Fremdfirmen zu kompensieren. Tatsächlich aber hinkt man im Zeitplan deutlich hinterher. „Man ist für die derzeitigen Anforderungen, die auch durch das Niedersächsische Deichgesetz (NDG) vorgegeben sind, nicht gewappnet“, spricht Meier weiter Klartext. Das Gesetz nämlich schreibt vor, schon ab einem Unterbestick von 20 Zentimetern tätig zu werden. Es gibt also viel zu tun.

Wieviel, das zeigen Zahlen, die Jochen Meier hinzufügte. Demzufolge besteht mit Blick auf den Küstenschutz inzwischen ein Investitions-Stau in Höhe von 400 Millionen Euro. Setzt man dem das Budget gegenüber, das vom Land bereitgestellt wird – 63 Millionen Euro jährlich – dann wird das Dilemma deutlich. Die 400 durch 63 zu teilen, um den Zeitraum bis zum Abtrag der angestauten, notwendigen Investitionen zu errechnen, kommt den berühmten Milchmädchen zu. Denn schließlich stehen in der Zwischenzeit neue Aufgaben an.
Zumal es in Forschung und Wissenschaft keine gesicherten Prognosen gibt, worauf sich die Küstenländer mit Blick auf die kommenden 80 Jahre einzustellen haben. Bislang orientiert man sich beim Küstenschutz der Zukunft an Zahlen des Weltklimarates, der einen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 98 Zentimeter bis Ende des Jahrhunderts prognostiziert. Im vergangenen Mai aber warnte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie, dass ein Anstieg von deutlich mehr als einem Meter bis hin zu 1,70 Metern bis zum Jahr 2100 nicht ausgeschlossen werden könne.
Diesen Missstand hat der Landkreis Friesland bereits vor zwei Jahren in Form einer Resolution an die sprichwörtliche Kirchentür genagelt und ein Jahr später nochmal erneuert. Nun kam die Antwort aus Hannover, kurz: Das Geld reiche nicht.

Da kommt doch Freude auf, wenngleich man den Deich von Wapelersiel bis Dangast zunächst mal als sicher bezeichnen kann. Auch ein Ergebnis der Herbstdeichschau, und das gilt zunächst mal für die kommenden Monate. Auch die Entwässerung des Raumes, für den der II. Deichband zuständig ist, läuft nach Plan. Ebenso stellen die beiden Baustellen am Mündungsschöpfwerk in Wapelersiel und an der Vareler Schleuse kein Problem für die Deichsicherheit dar. Wie stellte Landrat Ambrosy bei seiner Begrüßung zur Deichschau an besagten Baustelle in Wapelersiel so treffend fest: „Eine Kette bricht immer am schwächsten Glied“.
Gelesen 1340 mal Letzte Änderung am Freitag, 03 November 2017 10:57

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