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Freitag, 24 November 2017 10:08

Vor der Kettensäge kommt der Metalldetektor

geschrieben von Michael Tietz
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Schon vor fast fünf Jahren hatte die Straßenbaubehörde in Friedrichsfeld zu Versuchs- und Vergleichszwecken rund 1,2 Hektar Wald abholzen lassen. Im kommenden Jahr soll nun umfassend gerodet werden. Schon vor fast fünf Jahren hatte die Straßenbaubehörde in Friedrichsfeld zu Versuchs- und Vergleichszwecken rund 1,2 Hektar Wald abholzen lassen. Im kommenden Jahr soll nun umfassend gerodet werden. Foto: Michael Tietz
Vor umfassenden Rodungsarbeiten muss Gelände Friedrichsfeld auf Blindgänger untersucht werden

Varel/Bockhorn. Wenn auf dem Gelände des einstigen Übungsplatzes Friedrichsfeld demnächst umfangreiche Rodungsarbeiten in Angriff genommen werden, dann ist das nicht ganz ungefährlich: Im Boden des heute bewaldeten Bereichs könnten sich nämlich noch Bomben, Granaten und andere „Blindgänger“ aus dem Zweiten Weltkrieg befinden. Das in Summe mehr als 250 Hektar große Gelände zwischen Osterforde und Altjührden, einst als Ödland bezeichnete Sumpf- und Heidelandschaft, hat eine mehr als 100-jährige militärische Nutzung erlebt. Von 1939 bis 1945 gab es hier einen Fliegerhorst mitsamt Flugfeld, Bahnanschluss und Munitionsdepot – und der war während des Krieges Ziel alliierter Bomber. Nach Kriegsende wurden die flugtechnischen Anlagen gesprengt.

Später nutzte die Bundeswehr das Areal, zuletzt bis 2007 als Standortübungsplatz für die in Varel stationierten Einheiten. Seit gut zehn Jahren liegt das Gelände nun brach, nach wie vor ist es Eigentum des Bundes. Und der hat nun ein besonderes Auge auf Friedrichsfeld geworfen, will das Gebiet bekanntlich als Kompensationsfläche für die mit dem Bau der A 20 einhergehenden Zerstörung der Landschaft verwenden. Konkret geht es dabei um den Abschnitt 1 der A 20 zwischen der A 28 bei Westerstede und dem geplanten Kreuz mit der A 29 bei Hahn-Lehmden. Da die Küstenautobahn, sollte sie einst tatsächlich gebaut werden, insbesondere Weide- und Grünland zerschneidet, muss neuer Lebensraum für die dort vertriebenen Wiesenvögel angeboten werden, so die Vorgabe. Und hier hat man mit Friedrichsfeld ein möglicherweise geeignetes, großes Gelände gefunden, das dem Bund sogar schon gehört. Problem: Weite Teile des Geländes, insbesondere im südlichen Bereich, in dem sich einst Start- und Landebahnen befanden, sind inzwischen bewaldet. Bäume mögen Kiebitz und Co. aber gar nicht, sie bevorzugen offene Feuchtwiesen – und um diese zu schaffen, muss abgeholzt werden. Etwa 45 Hektar Wald und Gehölz soll entfernt werden. Trotz Kritik an diesem Vorgehen wird an der Planung festgehalten, die bereits vor vier Jahren in Varel vorgestellt worden war. Inzwischen hat man erste Erfahrungen mit der Entwicklung des Bodens nach „Testrodungen“ gesammelt, und auch die Planung für den 1. Abschnitt der A 20 ist vorangeschritten. Das Planfestellungsverfahren ist nach zwei Jahren abgeschlossen worden, ein Feststellungsbeschluss wird für den kommenden Januar erwartet. Das wäre praktisch die Baugenehmigung für alle Maßnahmen in Zusammenhang mit besagtem ersten Abschnitt – sofern dafür denn die finanziellen Mittel bereitstehen.

Somit könnte es noch im Winter losgehen in Friedrichsfeld, mit dem Umbau von Wald und Gehölz in offene Feuchtwiesen. Zuvor aber muss eben dafür gesorgt werden, dass die eingangs beschriebene Gefahr durch Blindgänger und andere Altlasten minimiert wird. Etwaige Bomben, Granaten oder andere gefährliche Relikte aus Kriegszeiten zu entfernen, ist Aufgabe des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen. Bei einem Ortstermin in Varel informierte jetzt Baurat Ansgar Behrens von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg, seit einem Jahr als Projektleiter zuständig für die Planung rund um den 1. Abschnitt der A 20, zusammen mit Vertretern der Bundesforstverwaltung und Sprengmeister Michael Tillschneider vom Kampfmittelbeseitigungsdienst.
17 konkrete Verdachtspunkte hatten sich nach Auswertung von alten Luftaufnahmen, die den Zustand unmittelbar nach der Bombardierung vom März 1945 zeigen, ergeben. Zwar waren nach dem Krieg schon viele Sprengkörper entfernt worden, über Jahrzehnte haben Einheiten der Bundeswehr außerdem schon mit schwerem Gerät auf den Flächen herumgefuhrwerkt. „Ein Problem ist, dass es keine Dokumentation darüber gibt, was seinerzeit entfernt worden ist“, sagt Bombenprofi Tillschneider. Gerade unter den Baumwurzeln also, die ja demnächst nun entfernt werden sollen, könnte noch scharfe Munition lauern.

Einige der definierten Verdachtspunkte sind schon untersucht – alle ohne Befund. „Es besteht zunächst mal auch keinerlei Gefahr für Spaziergänger oder Reiter“, betont Ansgar Behrens. Wenn es noch Sprengkörper gibt, liegen die einige Meter tief im Boden. Genau da muss man aber eben zum Ausbuddeln der Bäume hin – das macht eine gezielte und intensivere Untersuchung auf Kampfmittel notwendig. Zunächst geht es dabei um die sogenannten Rückegassen, schon in den Wald geschlagene Schneisen, in die auch schwere Fahrzeuge vorrücken können, um die gefällten Bäume aufzuladen.
Die schon gelaufenden Sondierungen hatte der Bundesforst als Eigentümer veranlasst. Die Sucharbeiten übernehmen in der Regel private Unternehmen, der Kampfmitteldienst als Landesbehörde kommt erst ins Spiel, wenn tatsächlich etwas gefunden wird. Das könnten zum Beispiel Sprengbomben sein, 450 Kilo das Stück. Sollten solche Sprengkörper gefunden werden, müssten sie entschärft oder auch gesprengt werden, je nach Lage und Zustand. „In der Regel wird in letzterem Fall in einem Umkreis von tausend Metern evakuiert“, sagt Sprengmeister Tillschneider. Davon wären unter Umständen Osterforde, Teile von Altjührden oder auch die B 437 betroffen.

Wenn der Planfeststellungsbeschluss für den ersten Bauabschnitt der Küstenautobahn rechtskräftig ist, soll mit den Ausgleichsmaßnahmen umgehend begonnen werden – das Zeitfenster ist eng, wie Baurat Ansgar Behrens betont: Drei Jahre sind vorgesehen, um mehrere Wald- und Gebüschbestände zu beseitigen, Hochbauten abzureißen und massiv befestigte Straßen und Wege aufzuheben. Dabei muss auch auf die Brut- und Setzzeit Rücksicht genommen werden. Nach dem Umbau wird der südliche Teil, in dem sich die Wiesenbrüter niederlassen sollen, für den Freizeitbetrieb voll gesperrt. Dafür werden derzeit noch abgesperrte Bereiche wie die einstige Kaserne und das Munitionsdepot, in das Erholungsgebiet einbezogen, neue Wegeverbindungen etwa zum Grabsteder Weg und über den Grabhorner Weg im Bereich der Achterlandsbäke sollen geschaffen werden.
Gelesen 218 mal Letzte Änderung am Freitag, 24 November 2017 10:15

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