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Freitag, 09 Juni 2017 11:03

Küstenschutz: „Eine Daueraufgabe, die sich rechnet“

geschrieben von Redaktion
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Die Baustelle am Wapeler Siel gehört zu den großen Einzelprojekten im Rahmen des Küstenschutzes, für 35 Millionen Euro wird hier über fünf Jahre gebaut. Die Baustelle am Wapeler Siel gehört zu den großen Einzelprojekten im Rahmen des Küstenschutzes, für 35 Millionen Euro wird hier über fünf Jahre gebaut. Foto: NLWKN

Norden/Wapelersiel. Allein rund 35 Millionen Euro kostet der Neubau des Wapeler Siels, der einhergeht mit der Verstärkung des Hauptdeiches am östlichen Jadebusen: Über mehr als fünf Jahre hinweg wird auf der Großbaustelle gearbeitet, die Fertigstellung ist für 2020 geplant. Ein großes Projekt, und doch nur eines unter vielen entlang der Nordseeküste.

Küstenschutz rechne sich aber, wie Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel jetzt betonte: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat nun eine so genannte Schadenspotentialanalyse für alle 22 Hauptdeichverbände in Niedersachsen vorgelegt – mit beeindruckenden Zahlen: „Die Deiche an der niedersächsischen Küste schützen Werte in einer Größenordnung von rund 129 Milliarden Euro“, sagte Minister Wenzel in der vergangenen Woche in Norden anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts des NLWKN. „Wenn Niedersachsen also jährlich mehr als 60 Millionen Euro für den Küstenschutz ausgibt, ist das gut angelegtes Geld“.
Der Schutz der Deichverbandsgebiete an der Niedersächsischen Küste gegen Überflutung durch Sturmfluten sei für diesen wichtigen Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraum von existentieller Bedeutung, betonte Wenzel. Um die Gefährdungslage und die Bedeutung des Küstenschutzes für die Gebiete der Hauptdeichverbände in Niedersachsen zu quantifizieren, hat der NLWKN jetzt die Höhenverteilungen in den sturmflutgeschützten Küstengebieten detailliert analysiert und das Gesamtschadenpotential errechnet. Der II. Oldenburgische Deichband hat demnach den größten „Einzelposten“ aller 22 Hauptdeichverbände zu bewirtschaften: Insgesamt 142 Kilometer Deichlinie, von Oldenburg entlang der Hunte und der Weser (jeweils westliches Ufer) rund um Butjadingen entlang des Jadebusens bis nach Dangast liegen im Zuständigkeitsbereich des II. Oldenburgischen Deichbandes, das Verbandsgebiet umfasst rund 84.000 Hektar und das kalkulierte Schadenpotenzial beträgt fast 20 Milliarden Euro.

„Die Analysemethode wurde durch den NLWKN im Rahmen von verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben entwickelt“, ergänzte Rainer Carstens, Mitglied der Direktionsleitung des NLWKN. Basis für die Ermittlung der Schadenspotentiale bilden amtliche Landnutzungsdaten und statistische Daten. So könne eine hohe Verlässlichkeit und Aktualität der Datengrundlagen sichergestellt werden. Es sei allerdings dabei zu berücksichtigen, dass über die gewählte Methodik ausschließlich direkte, monetär bewertbare Schadenspotentiale und Schäden ermittelt wurden. „Die Quantifizierung von indirekten Schäden ist noch mit erheblichen methodischen Interpretationsspielräumen verbunden und in Teilen noch Gegenstand der Forschung“. „Aus der Analyse der Höhenverteilungen wird deutlich, dass große Teile, nämlich 60 Prozent der niedersächsischen Küstengebiete, unterhalb des mittleren Tidehochwassers liegen. Das macht die große Bedeutung von Küstenschutzanlagen nicht nur im Falle von extremen Sturmflutereignissen deutlich“, erläuterte Carstens.

Das Land Niedersachsen gibt 2017 mehr als 60 Millionen Euro für den Küstenschutz aus, u.a. zehn Millionen Euro aus dem Sonderprogramm „Maßnahmen des Küstenschutzes infolge des Klimawandels“. Für Baumaßnahmen der Verbände sind in diesem Jahr rund 40 Millionen Euro vorgesehen: „Das meiste Geld wird für Baumaßnahmen des II. Oldenburgischen Deichbandes am Jadebusen und der linksseitigen Weser ausgegeben“, erläuterte Anne Rickmeyer, Direktorin des NLWKN. Sie betont, dass seit 1955 rund drei Milliarden Euro in den Küstenschutz investiert wurden. Dennoch sei die Liste der Maßnahmen im Küstenschutz nach wie vor lang: „Mehr als 200 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 362 Millionen Euro sind noch angemeldet. Küstenschutz ist eben eine Daueraufgabe, die sich rechnet“. Rickmeyer zog während der Jahrespressekonferenz auch eine Bilanz der Sturmflutsaison, die 2016/2017 an der niedersächsischen Küste gekennzeichnet war durch mehrere leichte Sturmfluten: „Prägend waren die Sturmflut vom 26. Dezember 2016 und die Sturmtidenkette vom 11. bis zum 14. Januar 2017 – das war schon sehr ungewöhnlich“.

>> Der Jahresbericht des Landesbetriebs ist verfügbar unter www.nlwkn.niedersachsen.de

Gelesen 857 mal Letzte Änderung am Freitag, 09 Juni 2017 11:17

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