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Freitag, 19 Februar 2021 10:21

Von Kastanien bleiben nur Stümpfe über

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Anstelle der zwei vormals 20 und 22 Meter hohen Kastanien an der Urwaldstraße sind nur noch Stümpfe zu sehen. Die Auricher Landesstraßenbaubehörde, die die Fällung in Auftrag gab, will im Herbst für Ersatzpflanzungen sorgen. Anstelle der zwei vormals 20 und 22 Meter hohen Kastanien an der Urwaldstraße sind nur noch Stümpfe zu sehen. Die Auricher Landesstraßenbaubehörde, die die Fällung in Auftrag gab, will im Herbst für Ersatzpflanzungen sorgen. Foto: Thorsten Soltau
Neuenburg. „Im Sommer, bei der Enthüllung der Skulptur im Außenbereich, waren die Kastanien wunderbare Schattenspender für die Gäste. Das waren große, kräftige Bäume, die nicht den Eindruck vermittelten, krank zu sein“, sagt Sonja Wachter. Der Blick nach draußen fällt für sie selbst derzeit schmerzhaft aus, denn von besagten „Schattenspendern“ vor ihrer Galerie an der Urwaldstraße sind nur noch zwei tiefgeschnittene Stümpfe übrig.
Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich hat die beiden Kastanien jüngst fällen lassen, ohne dabei im Vorfeld auf die Beseitigung hinzuweisen. Still und leise sei die Aktion vonstatten gegangen, so die Kritik von Sonja Wachter: „Als ich morgens aus der Galerie herausschaute, dachte ich, ich sehe nicht richtig. Alles weg. Ich bin geschockt und traurig, weil diese drei Kastanien das Hauptambiente draußen ausgemacht haben und die Galerie schützten.“

Ersatz im Herbst

Wieso wurden die Bäume an der Urwaldstraße gefällt? Der Friebo hat bei Bürgermeister Heiner Lauxtermann nachgefragt. Als Vertreter der Gemeinde und Anwohner der Urwaldstraße habe ihn die Fällung völlig überrascht, schreibt Heiner Lauxtermann, zumal die Gemeinde noch vor zwei Wochen Baumpflegearbeiten an einer Kastanie vorgenommen hatte.
Eigentlich hatte sich die Gemeinde mit der Auricher Behörde in der Vergangenheit so abgestimmt, dass vor solchen Eingriffen eine Information an die Gemeinde erfolgt. „Das hat sich in den letzten Jahren wohl ausgeschliffen“, bedauert der Bürgermeister. In einem Gespräch mit Frank Buchholz von der Landesstraßenbaubehörde habe ihn dieser aufgeklärt, dass die Bäume im Vorfeld fachlich untersucht wurden und die Fällung aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht vonnöten war. Die Landesstraßenbaubehörde werde jedoch eine entsprechende Ersatzpflanzung im Herbst vornehmen, kündigt Heiner Lauxtermann an.
Die Gemeinde Zetel werde den Vorfall nun ebenfalls zum Anlass nehmen, die Kommunikation zwischen den Behörden wieder zu verbessern. „Wir werden den Gesprächsfaden aufnehmen, um besonders in den Ortslagen als Gemeinde vorher informiert zu werden. Wir sind vor Ort meistens der erste Ansprechpartner und was ich weiß, kann ich auch erklären“, schreibt Heiner Lauxtermann.

Irreversible Schäden

Woran genau die Bäume gelitten haben, erläutert auf Nachfrage Frank Buchholz in einer schriftlichen Stellungnahme. Die gefällten Rosskastanien an der Urwaldstraße sind seit Jahren im Baumschadenskataster der Behörde geführt worden. Frank Buchholz: „Die Kastanien hatten Phytophthora-Befall (pilzlicher Befall, wurzelbürtig) in Verbindung mit Pseudomoas (bakterieller Befall) im fortgeschrittenen Stadium.“ Die Folgen sind laut Auricher Behörde eine stark nachlassende Vitalität des Baumes, ferner geht damit eine erhöhte Totholzbildungsrate und Sekundärpilzbefall an geöffneten Stark-Ästen und Stammpartien einher.
Dokumentiert worden sind zudem Kronenschäden an den Kastanien. „Diese Schäden sind leider irreversibel. Der Pilzbefall führt dazu, dass die Vitalität des Baumes stark zurückgeht. Diese macht sich als erstes optisch in der Krone bemerkbar. Die Bruchsicherheit der Äste ist nicht mehr gegeben und sie können unkontrolliert herausbrechen. Im weiteren Verlauf können sich die Schäden im Wurzelbereich so verstärken, dass die Standfestigkeit nicht mehr gegeben ist“, so Frank Buchholz.
Dieses Schadensbild des Baumes sei für Außenstehende nicht ohne weiteres erkennbar. Die Entscheidung, ob ein Baum gefällt wird, mache sich die Behörde nicht leicht, erklärt Frank Buchholz: „Die Bäume an unseren Straßen werden von zertifizierten Baumkontrolleuren regelmäßig überprüft, die dann leider auch irgendwann die Entscheidung gegen einen Baum treffen müssen. Kastanien in diesem Befallsstadium werden darüber hinaus auch gefällt, um den Befallsdruck für bisher gesunde Kastanien zu reduzieren.“
Mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises habe man die Vorgehensweise festgelegt, dass Bäume mit einem solchen Schadensbild vor der Fällung von der Landesstraßenbaubehörde nicht angezeigt werden müssen.

Kritik aus dem Rat

Im Gemeinderat ist die Entnahme der beiden Rosskastanien von den Fraktionen kritisch kommentiert worden. Eckhard Lammers (SPD) erklärte, ihn habe es erschüttert, dass die Landesstraßenbaubehörde ohne Ankündigung Bäume fällt. Er beobachte schon länger eine Tendenz, dass Bäume sowohl auf behördliche Anordnung sowie von privater Hand entnommen werden, ohne dass Ersatzanpflanzungen stattfinden.
Bäume zu erhalten, sei in der heutigen Zeit ein wichtiges Pfund, insbesondere für die nachfolgenden Generationen, so der Ratsherr: „Ich wäre daher sehr froh, wenn jeder mal darauf achten würde, wo überall Hecken und Bäume entfernt werden.“
„Es kann nicht sein, dass wir von der Behörde in Aurich einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, sagte Wilhelm Wilken (Grüne), „Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, von so etwas im Vorfeld zu erfahren.“
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