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Mittwoch, 23 Mai 2018 11:19

Kommt mit dem Wolf das Ende der Weidetierhaltung?

geschrieben von Albert Rohloff
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Mehr als hundert betroffene Landwirte und Schäfer trafen sich zu einer Protestaktion für eine wolfsfreie Zone vor der Küstenschutzhalle am Jadebusen in Augustgroden. Mehr als hundert betroffene Landwirte und Schäfer trafen sich zu einer Protestaktion für eine wolfsfreie Zone vor der Küstenschutzhalle am Jadebusen in Augustgroden. Foto: Albert Rohloff
Interessenkonflikt: Kundgebung von Landvolk- und Deichverbänden zum Wolfsmanagement

Augustgroden.
Von einem Gehorsam kann man bei Wölfen wahrlich nicht sprechen. Sie halten sich nicht an Abgrenzungen, missachten Mindestdistanzen zum Menschen und kümmern sich nicht um deren Besitzverhältnisse zu ihrer Beute. „Die antiautoritäre Erziehung des Wolfes ist gescheitert“, resümierte daher Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen: Er sprach vor deutlich mehr als hundert Teilnehmern bei der Kundgebung „Wolfsfreie Zonen – zum Schutz unserer Weidetiere“, zu der die Kreislandvolkverbände, Deichverbände und Kreislandfrauenverbände Friesland und der Wesermarsch sowie der Landesschafzuchtverband Weser-Ems aufgerufen hatten.

Vor allem (potenziell) betroffene Landwirte und Schäfer versammelten sich direkt am Jadebusen, vor der Küstenschutzhalle des II. Oldenburgischen Deichbandes im Kreis Wesermarsch, um vor allen Dingen ihrer Angst Ausdruck zu verleihen vor einem Szenario, das zwar noch nicht Realität geworden ist, das aber mit Blick auf die Entwicklung der Wolfspopulation in Norddeutschland durchaus bevorstehen kann: Wolfsrudel, die die ausgesprochen tierreiche Region der Wesermarsch als ideales Jagdrevier entdecken. „Eine Wesermarsch, wie wir sie kennen, mit ihren Kühen, Schafen und Pferden auf der Weide, wird es dann nicht mehr geben“, warnte Ehlers. Dabei geht es bei weitem nicht nur um die Schönheit der Landschaft. Die ist zwar für den Tourismus wichtig. Aber Landwirten, die ihre Herde über viele Jahre hinweg aufgebaut haben, droht unter Umständen der Ruin. Und Schafe sind nicht nur für stimmungsvolle Fotos gedacht, sie sichern aktiv den Bestand der Deiche.
Dabei macht sich allerdings auch eine gewisse Ratlosigkeit bemerkbar. Wolfssichere Zäune gibt es nicht und die Errichtung von wolfsabweisenden Zäunen würde allein in den Landkreisen Friesland und der Wesermarsch über 300 Millionen Euro kosten und wäre mit nicht leistbaren, zukünftigen Unterhaltungsaufwendungen verbunden. Dass andererseits das Abschießen von Wölfen mit dem Begriff „Aktives Wolfsmanagement“ kaschiert wird, zeigt, dass man um die Brisanz der Thematik weiß.

Anne Kura, Landesvorsitzende der Grünen in Niedersachsen hält dagegen: „Dass der Wolf zurück ist, ist ein Erfolg des Naturschutzes. Ja, es gibt auch Probleme, aber sie sind mit den geltenden Regelungen sehr gut beherrschbar. Für ‚Feuer frei‘ gibt es absolut keinen Anlass. Den Wolf zu bejagen ist nicht nötig und rechtlich auch nicht möglich“, kritisiert sie die Protest­aktion, die sie für überzogene Panikmache hält. „Der Wolf war jahrhundertelang Teil unserer Tierwelt, wurde vom Menschen ausgerottet und ist jetzt wieder heimisch. Das ist gut so“, betont Kura.
Während der Veranstaltung in Augustgroden hatte man für diese Haltung indes nur ein missbilligendes Lächeln übrig: „Manche Städter betreiben eine wahre Willkommenskultur für den Wolf! Das lässt sich aus dem zweiten Stock ja auch gut machen“, sagte Ellen Kromminga-Jabben vom Kreislandfrauenverband Friesland.


Der Wolf ist nach Niedersachsen zurückgekehrt. Das schafft auch Probleme.

Ein klassischer Interessenkonflikt, der sich mit der derzeitigen Rechtslage nicht lösen lässt. Schließlich steht der Wolf unter strengem Naturschutz. Nun ist die Politik gefragt. Die Weidehalter, so fordern die Veranstalter, brauchen wolfsfreie Zonen und klare Regelungen auf Kreis-, Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Natürlich sei es gerade an der Küste schwieriger, präventive Maßnahmen zu ergreifen, räumt Gudrun Göhr-Weber, Sprecherin der Grünen Wesermarsch ein. Dragos Pancescu, Grünen Landtagsabgeordneter aus Brake, verweist daher auf die geltende Regelung im Bundesnaturschutzgesetz, wonach Wölfe im Einzelfall der Natur „entnommen“ werden können, wenn erhebliche Schäden auf andere Weise nicht mit vertretbarem Aufwand vermieden werden können. „Das ist gut und richtig, denn wenn ein Wolf regelmäßig trotz präventiver Maßnahmen Nutztiere reißt, sollte und kann eingegriffen werden. Bei Gefahren für Leib und Leben von Menschen sowieso“, sagt Pancescu.
Ob jedoch langwierige Einzelfallentscheidungen das Problem lösen können, bleibt im Wortsinne abzuwarten. Womöglich lange abzuwarten. Der antiautoritär erzogene Wolf wird sich nicht gedulden.

Gelesen 804 mal Letzte Änderung am Freitag, 25 Mai 2018 11:51

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