Anzeigen

Redaktion

Media-Daten

 

Friebo

Bürozeiten:
Montags bis Donnerstag: 9 bis 13 Uhr und 14:00 bis 17 Uhr
Freitags: 9 bis 12 Uhr

Kontakt
Freitag, 18 Januar 2019 11:13

Gezerre um Bahnsteigbrücke geht weiter

geschrieben von Michael Tietz
Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Die markante Bahnsteigbrücke am Vareler Bahnhof, seit 1998 als Baudenkmal ausgewiesen, möchte die Deutsche Bahn gern abreißen. Die Denkmalschutzbehörde ist aber dagegen. Die markante Bahnsteigbrücke am Vareler Bahnhof, seit 1998 als Baudenkmal ausgewiesen, möchte die Deutsche Bahn gern abreißen. Die Denkmalschutzbehörde ist aber dagegen. Foto: Michael Tietz
Deutsche Bahn will Baudenkmal am Bahnhof loswerden – Denkmalpflege drängt aber auf Erhalt

Varel.
Fast neun Jahre ist es her, dass ein Vertreter der Deutschen Bahn, Abteilung Projektbau, im städtischen Planungsausschuss den Planungsentwurf für den Umbau der denkmalgeschützten Bahnsteigbrücke am Bahnhof vorgestellt hat. Zum Zeitplan hieß es im März 2010, der Umbau der Brücke sei für Ende 2012, Anfang 2013 vorgesehen, die Elektrifizierung der Strecke Oldenburg–Wilhelmshaven erfolge im Jahr 2014. Darüber kann man heute schmunzeln oder den Kopf schütteln, Tatsache ist: Bis anno 2019 ist weder das eine noch das andere realisiert worden.
In der Zwischenzeit hat es Demonstrationen am Bahnhof gegeben, diverse Protestnoten sind nach Hannover und Berlin gesandt worden, Minister und Bahnvorstände haben vor Ort auf dem zugigen Bahnsteig gestanden und baldige Abhilfe zugesichert. Bisher aber half das alles nichts, die marode Brücke bröselt weiter vor sich hin, die Gleise 2 und 3 sind nach wie vor nur über Treppen zu erreichen.

Auf den Tag genau vor einem Jahr, am 19. Januar 2018, kam die Deutsche Bahn dann mit einer neuen Nachricht um die Ecke: Man beabsichtige, die seit 1998 unter Denkmalschutz stehende Bahnsteigbrücke entgegen der bisherigen Planung nun doch abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen.
Denn abgesehen davon, dass das vorhandene Bauwerk nicht barrierefrei und in einem beklagenswerten Zustand ist, steht es der Bahn im Wortsinn im Wege: Um die Fahrdrähte für E-Loks unter der Brücke hindurchführen zu können, müsste diese angehoben oder von unten ein wenig abgetragen werden. Das ist zwar möglich – aber eben auch sehr teuer. So teilte die Deutsche Bahn vor einem Jahr mit, dass die als „vertretbare Kostenobergrenze“ definierten 2,6 Millionen Euro deutlich übertroffen würden: Auf eine Ausschreibung der Arbeiten habe es nur ein Angebot gegeben: Knapp vier Millionen Euro waren darin kalkuliert worden. „Da eine Erweiterung des Finanzierungsrahmens nicht möglich ist, hat sich die DB AG dazu entschlossen, bei der weiteren Planung den Erhalt des Baudenkmals nicht mehr weiter zu verfolgen, sondern die Planungen für einen Abbruch der alten und Neubau einer modernen Bahnsteigbrücke aufzunehmen“, teilte Armin Skierlo, Sprecher für Großprojekte in der Nordwestregion vor zwölf Monaten mit.
So wurde der denkmalrechtliche Abbruchantrag auf den Weg gebracht. Ein Konzept für einen Neubau als Alternative zur Sanierung gibt es indes nicht, man wolle zunächst die Genehmigung für den Abbruch abwarten, hieß es.
Ob es die aber geben wird, ist fraglich: Entscheiden muss letztlich die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Varel. Sie kann sich dabei auf eine Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege stützen, das natürlich in erster Linie Baudenkmäler erhalten wissen möchte: „Wir sind der Anwalt des Bauwerks“, sagt Referent Nils Juister vom Landesamt-Stützpunkt Oldenburg. Und die Bahn könne sich kaum auf wirtschaftliche Unzumutbarkeit berufen. „Die öffentliche Hand, und dazu zählt auch die Deutsche Bahn als Tochter des Bundes, hat eine besondere Verpflichtung zum Erhalt von Baudenkmälern“, betont Juister.

Björn Thümler: Bahn-Argumente „dämlich“
So sieht das auch Bürgermeister Gerd-Christian Wagner: Beim CDU-Neujahrsempfang machte er seine Position deutlich, bei der Bahn auf Erhalt des vorhandenen Bauwerks zu pochen. Unterstützung bekam er in dieser Haltung spontan von Kulturminister Björn Thümler: „Die Bahn lässt die Brücke erst verrotten und will dann abreißen.“ Er werde die Stadt dabei unterstützen, für die zügige Sanierung des Altbaus einzutreten. Die von der Bahn vorgetragenen Argumente bezeichnete Thümler als „dämlich“.

Planungsentwurf aus dem Jahr 2010: Ein Stück des Überganges sollte abgetragen werden, um Raum für die Fahrdrähte zu schaffen, Aufzüge auf der Nordseite an das Gebäude angebaut werden. Grafik: DB Projektbau

>> Am 6. Februar findet in Hannover ein Gespräch statt mit Vertretern von Bahn, Stadt und Landesamt für Denkmalpflege. Dann soll abschließend erörtert werden, ob ein Abriss geneh­migt werden kann oder die Bahn die ursprünglichen Umbau- und Sanierungspläne wird umsetzen müssen.
In Varel sorgt die erneute Debatte indes für Augenrollen: So hatten sich schon im vergangenen Jahr verschiedene Stadtratsfraktionen dafür ausgesprochen, dem Abriss zuzustimmen. Ähnlich hatte sich auch der frühere Verkehrsminister Olaf Lies geäußert.
Bürgermeister Wagner hatte hingegen schon vor einem Jahr mit Befremden auf die Abkehr der Bahn vom bis dato abgestimmten Weg reagiert. Schließlich sei die bisherige Planung Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses für den Ausbau der Strecke Oldenburg-Wilhelmshaven. Es sei mithin zu klären, ob dieser Feststellungsbeschluss ebenfalls geändert werden müsse, so Wagner. Zu befürchten sei, dass dies weiteren Zeitverlust bedeuten würde.

>> Am kommenden Dienstag, 22. Januar, wird das Thema im städtischen Planungsausschuss diskutiert, die Fraktion Zukunft Varel hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Darin wird auch gefordert, dass die Stadt als Untere Denkmalschutzbehörde den Beschluss fassen möge, die Bahnsteigbrücke abreißen zu lassen.
Gelesen 1341 mal Letzte Änderung am Freitag, 18 Januar 2019 11:43

Stellenanzeigen

Online lesen...

Leserreisen 2018

Facebook

Adresse

Friesländer Bote GmbH & Co. KG
Friesländer Bote GmbH & Co. KG
Elisabethstr. 13
Elisabethstr. 13
26316 Varel
26316 Varel

Bürozeiten:

Montag bis Donnerstag:
Montag bis Donnerstag:
9 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr
9 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr
Freitag:
Freitag:
9 bis 12 Uhr
9 bis 12 Uhr