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Freitag, 07 Februar 2020 12:12

„Ein Frontalangriff gegen die Beschäftigten“

geschrieben von Michael Tietz
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Traditionsreicher Produktionsstandort in Neuenwege: Seit 2009 mit Logo von Premium Aerotec. Traditionsreicher Produktionsstandort in Neuenwege: Seit 2009 mit Logo von Premium Aerotec. Foto: Anke Kück
Restrukturierung bei Premium Aerotec sieht Stellenabbau vor – Betriebsrat kündigt Widerstand an

Varel.
Nachdem erst Mitte Januar die Pläne von ThyssenKrupp Aerospace zur Schließung des Standorts im Aeropark Neuenwege öffentlich bekannt geworden waren, kommen nun auch beunruhigende Nachrichten aus dem Werk von Premium Aerotec gleich gegenüber.
In einer Mitteilung des Betriebsrats ist zu lesen, dass die Geschäftsführung der Premium Aerotec GmbH (PAG) ein Restrukturierungsprogramm mit dem Titel „Be Ready“ vorgestellt habe. Aus den rund 600 Seiten gehe deutlich hervor, dass es der Unternehmensführung „vorwiegend um Gewinnmaximierung zu Lasten der Beschäftigten“ gehe. Alle PAG-Standorte seien davon betroffen. Neben Varel unterhält das 2009 aus Airbus heraus gegründete Unternehmen Standorte in Augsburg (Hauptsitz), Hamburg, Bremen und Nordenham.

Nach Informationen des Betriebsrates sollen insgesamt 481 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren eingespart werden, damit einhergehen könne der Abbau von mehr als 1.400 Arbeitsplätzen insgesamt an allen deutschen Standorten. Die Geschäftsführung habe weitere Maßnahmen „vorgeschlagen“, wie es heißt, etwa weitere, verschärfte Fremdvergabe von Arbeitspaketen aus Augsburg, Bremen, Nordenham und Varel, die Senkung von Zulagen und Abschaffung von Schichtzuschlägen und Krankengeldzuschüssen sowie eine unbezahlte Verlängerung der tariflichen Arbeitszeit.
Es sei erkennbar, „dass die Geschäftsführung sich nicht scheut, auch Tarifverträge in Frage zu stellen. Das ist für uns nicht verhandelbar“, heißt es in einer Stellungnahme von Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall. Jürgen Kerner, IG Metall-Vorstand: „Wer tarifliche Standards für 10 Prozent Gewinn schleifen möchte, der setzt den sozialen Frieden im Betrieb auf´s Spiel.“
Es gebe keine positiven Zukunftsstrategien für die Standorte, obwohl die Luftfahrtbranche eine Zukunfts- und Schlüsselindustrie sei. Das passe auch nicht zur ‚Leipziger Erklärung‘ zur Zukunft der Luftfahrt, die im August 2019 von Bundesregierung, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften unterschrieben worden war. Somit lägen nun „Welten“ zwischen den Reden der verschiedenen Geschäftsführer im letzten Jahr auf Betriebsversammlungen und dem, was wir Betriebsräte anschließend als Konzept vorgelegt bekommen haben“, heißt es weiter.
Katharina Volk vom IG-Metall Bezirk Küste: „Mit ‚Be Ready‘ startet die Geschäftsführung einen Frontalangriff gegen die Beschäftigten. Stattdessen brauchen wir ein zukunftsfähiges Bild der Premium Aerotec.“

IG Metall und Betriebsräte aus allen Standorten fordern deshalb gemeinsam von der Geschäftsführung und von Shareholder Airbus ein positives Zukunftsbild mit Investitionen für alle Standorte, die Absage an betriebsbedingte Kündigungen und eine Abkehr von derlei enormen Einsparzielen zu Lasten der Beschäftigten.
„Wir wollen keine Eskalation, aber für die Interessen und die Zukunft der Beschäftigten, für die Zukunft der Standorte, streiten wir stets gemeinsam“, sagte Thomas Busch, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Premium Aerotec. Der Betriebsratsvorsitzende des Werkes in Varel, Jürgen Bruns, forderte angesichts der jüngsten Diskussionen hier vor Ort: „Politik muss sich sehr wohl für unsere Arbeitsplätze und den Standort einsetzen.“
Das Unternehmen hat insgesamt knapp 8.000 Beschäftigte, davon etwa 4.700 in Nordenham, Varel und Bremen. Im Werk Neuenwege arbeiten rund 1500 Beschäftigte.

Unter dem Motto „Mensch vor Marge“ lehnen IG Metall und Betriebsräte das Restrukturierungsprogramm ab. „Massive Einsparungen und der Abbau von Arbeitsplätzen der Rendite wegen sind mit der IG Metall und den Betriebsräten nicht zu machen“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Frieslands Landrat Sven Ambrosy zeigte sich erschüttert angesichts der Entwicklung im Aeropark und erklärte, seine „schlimmsten Befürchtungen" seien offenbar Realität geworden: "Mit der Brechstange sollen offenbar insgesamt fast 1.500 Arbeitsplätze an allen PAG-Standorten, somit auch in Varel und Nordenham, abgebaut werden – das ist nicht hinnehmbar!"
Man könne nicht zulassen, dass Standorte gegeneinander ausgespielt werden. "Die Vorgänge erinnern mich sehr stark an die Vorkommnisse der Jahre 2007/2008; ich habe gehofft, dass die Arbeitgeberseite daraus gelernt hat, aber anstatt mit den Gewerkschaften und Arbeitnehmern vor Ort eine Lösung zu erarbeiten, wird offensichtlich die harte Auseinandersetzung gesucht. Dafür habe ich kein Verständnis. PAG sowie Airbus sind profitable Unternehmen, die Auftragsbücher sind voll, wie kann man dann plumpen Arbeitsplatzabbau propagieren? Die Region steuert ohne Not auf unruhige Zeiten zu. Ich appelliere an die Arbeitgeberseite, dringend eine Verständigung mit der Arbeitnehmerseite zu suchen, um die Standorte und die Arbeitsplätze zukunftssicher zu halten. Alles andere ist nicht akzeptabel.“
Gelesen 842 mal Letzte Änderung am Freitag, 07 Februar 2020 12:26

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