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Mittwoch, 08 Juli 2020 19:17

Aerotec-Krise: Minister macht den Beschäftigten Mut

geschrieben von Michael Tietz
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Zusammenhalt trotz Abstandsgebot - mit einer Menschenkette verliehen die Beschäftigen von Premium Aerotec am Mittwoch ihrer Sorge um die Arbeitsplätze Ausdruck. Zusammenhalt trotz Abstandsgebot - mit einer Menschenkette verliehen die Beschäftigen von Premium Aerotec am Mittwoch ihrer Sorge um die Arbeitsplätze Ausdruck. Fotos: Michael Tietz
Kundgebungen an Airbus- und Aerotec-Standorten: Bernd Althusmann spricht zu Belegschaft in Varel

Varel.
Gegen einen möglichen Abbau von Arbeitsplätzen an allen Standorten protestieren am Mittwoch die Beschäftigten der Premium Aerotec GmbH (PAG). IG Metall und Betriebsräte hatten zu einem Aktionstag aufgerufen. Bei den Kundgebungen erklärten die Arbeitnehmervertreter vor den Werkstoren in Augsburg, Bremen, Hamburg, Nordenham und Varel, dass der geplante Abbau die Zukunft von Airbus und seinen Tochtergesellschaften gefährde.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sprach vor dem Werkstor zu rund 500 der insgesamt fast 1500 Beschäftigten.

In Varel kamen knapp 500 Beschäftigte der Frühschicht zu einer „gewerkschaftlichen Mittagspause“ vor das Werkstor, IG Metall und Betriebsrat hatten eine Kundgebung auf dem gesperrten Riesweg vorbereitet. Marcus Baitis, Vertrauenskörper-Leiter PAG am Standort Varel, begrüßte die Kolleginnen und Kollegen und wies darauf hin, dass zeitgleich auch an den Standorten in Nordenham, Bremen und Stade Veranstaltungen im Rahmen des Aktionstages stattfinden würden. Trotz des Abstandsgebots gelte es, fest zusammenzustehen und auch mit Schutzmasken wolle man an diesem Tag Gesicht zeigen, so Baitis, der dann das Mikrofon zunächst an Jürgen Bruns, den Betriebsratsvorsitzenden im Werk Varel übergab.

"Keine Basis für konstruktive Gespräche"
Bruns ging kurz auf die Verwirrung ein, die in der Vorwoche geherrscht hatte, nachdem konkrete Zahlen erstmals die Runde gemacht hatten. Für Varel war dabei ein Abbau von 538 Arbeitsplätzen angekündigt worden. Doch das Unternehmen korrigierte die Angaben tags darauf – es sei (noch) nicht tatsächlich geplant, diese Zahl von Stellen zu streichen, vielmehr handele es sich um die gegenwärtige Auslastungslücke, in Stellen umgerechnet. Möglicherweise, so hieß es nun, lasse sich diese Lücke überbrücken oder durch andere Instrumente als Kündigungen schließen. „Wir sind bereits zwischen 40 und 60 Prozent in Kurzarbeit und dankbar, dass wir dieses Instrument haben“, sagte Jürgen Bruns, der von „blankem Entsetzen“ und emotionalen Reaktionen auf Seiten der Arbeitnehmervertreter sprach, als das Unternehmen zunächst mitgeteilt hatte, etwa jeden dritten Arbeitsplatz im Vareler Werk streichen zu wollen. „Das war keine Basis für konstruktive Gespräche“, betonte Jürgen Bruns, „und das Ansinnen, die Auslastungslücke durch Personalabbau zu schließen, muss auf erbitterten Widerstand stoßen.“

Die Belegschaft von Premium Aerotec habe in der Vergangenheit „an der Erfolgsgeschichte Airbus“ mitgeschrieben und mit Zusatzschichten an Wochenenden dafür gesorgt, „dass Flieger pünktlich ausgeliefert werden konnten“. Dieses Engagement dürfe nun von Konzernseite nicht mit Füßen getreten werden. Der Betriebsratsvorsitzende erinnerte an frühere Krisen, die häufig schneller überwunden gewesen seien als zunächst angenommen. Zudem seien die Auftragsbücher von Airbus voll, mehr als 7.000 Maschinen gelte es zu bauen. „Die Airlines haben Auslieferungen verschoben, nicht storniert.“ Auch wenn ein Ende der gegenwärtige Pandemiekrise noch nicht abzusehen sei, Personalabbau sei sicher ein Irrweg: „Das verbaut die Zukunft, mit derart reduzierten Mitarbeiterzahlen wäre das Unternehmen langfristig nicht überlebensfähig.“

Zu Besuch im Aeropark waren am Mittwochmittag zudem Vertreter der Politik, sie hatten sich mit Gewerkschafts- und Betriebsratsvorsitzenden ausgetauscht. Der Niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann versicherte den Beschäftigten die Unterstützung von Land und Bund: Es gelte, die Krise in der Branche „so sozialverträglich wie möglich“ in den Griff zu bekommen. Er äußerte die klare Erwartung, dass Airbus und Premium Aerotec dabei betriebsbedingte Kündigungen vermeiden müssten. Bei einem Gespräch am Montag, so Althusmann, wollen die Minister aus Bremen, Hamburg und Niedersachsen mit den Betriebsräten weitere Möglichkeiten erörtern. Er wies außerdem darauf hin, dass allein Niedersachsen in der Krise weitere 20 Millionen Euro zur Standortsicherung bereitstellen werde. Und der Minister äußerte sich zuversichtlich, dass es bis September gelingen werde, die Zahlung von Kurzarbeitergeld auf 24 Monate zu verlängern. Das ist eine zentrale Forderung von Gewerkschaften und Betriebsräten.

Die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller kritisierte, dass von Seiten des Konzerns Angaben zu Arbeitsplätzen gemacht wurden, ohne dass alle Instrumente zu deren Erhalt ausgeschöpft seien. Auch sie versprach, dass alles getan werde, um die Beschäftigung an allen Standorten zu sichern. So gelte es etwa, Beschaffungen im Verteidigungssektor vorzuziehen.
Die IG Metall-Bevollmächtigte Martina Bruse beschrieb die enorme Verunsicherung bei den Beschäftigten und kündigte, sofern nötig, einen harten Arbeitskampf an. Es passe nicht zusammen, dass einerseits wiederholt der Fachkräftemangel beklagt werde, nun aber hochqualifizierte Kräfte womöglich leichtfertig freigesetzt werden sollen. „Das ist nun Tag eins der Auseinandersetzungen, wir werden uns hier sicher noch häufiger sehen“, zeigte sich Martina Bruse kämpferisch.

Zu dem Aktionstag unter dem Motto „Wenn wir zusammenhalten, ist alles möglich“ waren auch Delegationen weiterer Betriebe aus der Region eingeladen. Unter anderem waren Kollegen von ThyssenKrupp Aerospaces gekommen, die selbst um ihre Arbeitsplätze im Aeropark Neuenwege bangen, nachdem ThyssenKrupp die Aufgabe des Standorts im nächsten Jahr angekündigt hat. Auch Mitarbeiter des Vareler Betriebes Deharde zeigten sich solidarisch.


Symbolische Hürden vor dem Werkstor: Einige seien bereits gemeinschaftlich überwunden, erklärte Marcus Baitis, Leiter Vertrauenskörper PAG Varel, einige gelte es aber noch aus dem Weg zu räumen.

Hintergrund: Airbus in der Krise
Vor dem Hintergrund dramatischer Einbrüche in der Luftfahrtbranche durch die Corona-Pandemie ist die Auslastung im Airbus-Konzern deutlich zurückgegangen. Airbus hatte angekündigt, insgesamt etwa 15.000 Stellen zu streichen, davon gut 5100 in Deutschland. Überproportional betroffen wäre Konzerntochter Premium Aerotec, genannt wurde hier eine Zahl von insgesamt 2874 Stellen verteilt auf alle Standorte. Das wäre ein Abbau von fast 40 Prozent der Arbeitsplätze. Am stärksten betroffen wäre Nordenham mit einem Verlust von 1100 Stellen, in Augsburg wären es 1000. Für das Werk Varel war nach Mitteilung des Betriebsrats der Abbau von 538 Stellen genannt worden, das wäre mehr als jeder dritte Arbeitsplatz. Von etwa 80 Leiharbeitskräften hatte sich das Unternehmen bereits getrennt.
Gelesen 400 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 08 Juli 2020 21:39

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